8.12.2010

Das Baskenland – auf leisen Sohlen zum Tourismusgipfel

BaskenlandIch möchte heute eine Urlaubsregion in Spanien vorstellen, die früher kaum bekannt war für Tourismus, sich aber in den letzten Jahren zu einem absolute Geheimtipp entwickelt hat. Die Rede ist vom Baskenland. Weshalb diese überaus urig angehauchte Provinz im Norden Spaniens lange Zeit von Urlaubern fast unberührt gewesen ist, liegt zum einen in seiner politischen Vergangenheit- und zum anderen in seinen regionalen, für Spanien untypischen Eigenheiten begründet. Der früher teilweise etwas verschlossene Habitus der Basken- manchmal ähnlich schroff wie die baskische Landschaft- trug nicht allzu sehr dazu bei, dass der Besucher hier eine ähnliche Gastfreundschaft wie im Rest der iberischen Halbinsel vorfinden konnte.

Dazu gesellte sich vor allem die verheerend problematische Ausprägung des baskischen Nationalstolz´. Von radikalem Lokalpatriotismus verblendete Basken gründeten Ende der Fünfziger Jahre als Kontergewicht zur Franco-Diktatur die Untergrundorganisation ETA. Mit fast ausschließlich terroristischen Mitteln versuchte die ETA von da an immer wieder die politische Unabhängigkeit von Spanien zu erzwingen. Diese illegalen Autonomiebestrebungen hatten zur Folge, dass sich im Gegensatz zu fast allen anderen spanischen Regionen bis weit in die Neunziger hinein, nie ein richtiger Tourismus etablieren konnte. Von bis heute einigen Dutzend Anschlägen abgeschreckt, verlegte der Spanienurlauber von Beginn des spanischen Tourismus seinen Reiseschwerpunkt vor allem an die Costa Brava, Andalusien oder die Balearen. So blieb das Baskenland fast ein halbes Jahrhundert von Ferienreisenden unentdeckt. Seit ein paar Jahren aber haben verschiedene gesetzliche Maßnahmen und polizeiliche Erfolge eine fast gänzliche Befriedung des Baskenlandes nach sich gezogen.

Für Spanienfans, die bislang nur Malaga, Barcelona oder Gran Canaria in ihren Reisepass gestempelt bekamen, ist nun auch mehr und mehr das Baskenland ein zu Recht willkommenes Reiseziel. Nun ist es viel mehr als früher möglich, das zerklüftete Panorama von z.B. der Provinz Navarra – und das im Verhältnis zum Süden etwas raue Klima auf eine sehr wildromantische Weise zu genießen. Und viele staunen mit welcher Raffinesse die baskische Fischküche, die Andalusische- um Längen schlägt und somit einen sehr abwechselungsreichen kulinarischen Gegenpol zur bislang eher „Mainstream“ ausgerichteten Tapas-Esskultur Südspaniens entgegen stellt.

Mit der allmählich wieder hergestellten öffentlichen Ordnung tauten auch die Bewohner immer mehr auf und sicher nicht nur durch die erkannte Möglichkeit des Geldverdienens. Heute zeigt der Baske an sich, dass seine viel gerühmte raue Herzlichkeit viel herzlicher denn rau ist. Trotzdem der baskische Tourismus in den letzten zehn Jahren einen enormen Aufschwung erfahren hat, ist diese herrlich malerische Gegend immer noch nicht als Überlaufen zu bezeichnen. Das Gefühl fernab vom Pauschaltourismus à la Mallorca zu sein, ist hier noch allgegenwärtig. Und wer von der baskischen Abwechselung nicht genug kriegen kann, sollte über die nahe gelegene Grenze nach Frankreich reisen. Sogar bis zum großen EU-Nachbarn hinein erstreckt sich die baskische Landschaft. Hier finden sich landschaftliche, kulturelle und sprachliche Übereinstimmung zu den spanischen Basken, aber eben auch sporadische kleine Unterschiede. Trotzdem sollte man sich nicht entgehen lassen, wie sich sowohl spanische- als auch französische Basken gerne als eine politische Einheit sähen. Und dies natürlich in einer friedlichen Umsetzung.

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